KI & Online Marketing –
die wichtigsten Begriffe
53 Begriffe erklärt – von KI-Grundlagen bis Datenschutz. Für Verwaltungen, Gemeinden und alle, die mitreden möchten.
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KI-Grundlagen
10 Begriffe
Künstliche Intelligenz (KI / AI)
Künstliche Intelligenz bezeichnet Computersysteme, die Aufgaben ausführen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern – wie Spracherkennung, Entscheidungsfindung, Übersetzung oder Bildanalyse. KI ist kein einzelnes Programm, sondern ein Oberbegriff für viele verschiedene Technologien.
Beispiel: Ein KI-System analysiert Gemeinderatsprotokolle und erstellt automatisch eine strukturierte Zusammenfassung.
Machine Learning (ML) / Maschinelles Lernen
Ein Teilbereich der KI, bei dem Systeme aus Daten lernen, ohne explizit programmiert zu werden. Das Modell erkennt Muster in grossen Datensätzen und verbessert seine Vorhersagen mit zunehmender Erfahrung.
Beispiel: Ein ML-Modell lernt aus tausenden Bürgeranfragen, welche Anliegen automatisch beantwortet werden können.
Deep Learning
Eine Unterform des Machine Learning, die auf künstlichen neuronalen Netzen mit vielen Schichten (Layers) basiert. Deep Learning ermöglicht besonders leistungsstarke Bild-, Sprach- und Texterkennung.
Beispiel: Sprachmodelle wie GPT-4 basieren auf Deep-Learning-Architekturen.
Neuronales Netz
Ein Rechenmodell, das lose vom menschlichen Gehirn inspiriert ist. Es besteht aus miteinander verbundenen Knoten (Neuronen), die in Schichten organisiert sind und Informationen verarbeiten und gewichten.
Training (KI-Training)
Der Prozess, bei dem ein KI-Modell auf einem grossen Datensatz optimiert wird. Das Modell passt seine internen Parameter (Gewichte) an, um Vorhersagen zu verbessern. Training ist rechenintensiv und erfolgt einmalig oder periodisch.
Inferenz
Der Einsatz eines bereits trainierten KI-Modells zur Verarbeitung neuer Eingaben. Während Training Wochen dauern kann, erfolgt Inferenz in Millisekunden – das ist der Moment, in dem das Modell «antwortet».
Halluzination (KI)
Ein Phänomen, bei dem KI-Sprachmodelle sachlich falsche Informationen mit hoher Zuversicht präsentieren. Halluzinationen entstehen, weil das Modell statistisch plausible Antworten generiert, ohne die Wahrheit zu «kennen».
Wichtig: Immer kritisch prüfen, besonders bei rechtlichen oder medizinischen Inhalten.
Prompt
Die Eingabe oder Anweisung, die ein Nutzer an ein KI-Modell sendet. Die Qualität des Prompts bestimmt massgeblich die Qualität der Antwort. Prompt Engineering ist die Kunst, optimale Eingaben zu formulieren.
Prompt Engineering
Die systematische Gestaltung von Eingaben (Prompts) für KI-Systeme, um präzise, nützliche und konsistente Ausgaben zu erhalten. Umfasst Techniken wie Chain-of-Thought, Few-Shot-Prompting und Rollenanweisungen.
Beispiel: «Antworte als erfahrener Gemeindeschreiber und erkläre den Ablauf einer Einbürgerung in drei Schritten.»
Token
Die kleinste Verarbeitungseinheit eines Sprachmodells. Ein Token entspricht ungefähr 3–4 Zeichen oder 0,75 Wörtern auf Englisch. Die Kosten für KI-APIs werden meist pro Token berechnet. Ein Satz hat ca. 15–25 Tokens.
LLM & Modelle
10 Begriffe
LLM – Large Language Model
Ein grosses Sprachmodell, das auf riesigen Textmengen trainiert wurde und menschliche Sprache versteht und generiert. LLMs sind die Grundlage von ChatGPT, Claude, Gemini und anderen KI-Assistenten.
Bekannte LLMs: GPT-4o (OpenAI), Claude 3.5 (Anthropic), Gemini 1.5 (Google), Llama 3 (Meta).
GPT – Generative Pre-trained Transformer
Eine Modellfamilie von OpenAI, die auf der Transformer-Architektur basiert. GPT-Modelle werden auf grossen Textmengen vortrainiert und können dann für spezifische Aufgaben feinabgestimmt werden.
ChatGPT
Ein KI-Chatbot von OpenAI, der auf GPT-Modellen basiert. ChatGPT ermöglicht natürlichsprachige Konversationen, Textgenerierung, Code-Erstellung und Analyse. Verfügbar als kostenlose und kostenpflichtige Version.
Claude
Ein LLM von Anthropic, bekannt für besonders lange Kontextfenster und sicherheitsorientiertes Design. Claude wird häufig für komplexe Dokumentenanalysen und professionelle Anwendungen eingesetzt.
Gemini
Googles multimodales KI-Modell, das Text, Bilder, Audio und Code verarbeiten kann. Gemini ist in Google-Dienste wie Search, Docs und Gmail integriert.
Open Source KI / Open-Weight Modelle
KI-Modelle, deren Gewichte (Parameter) öffentlich zugänglich sind und lokal betrieben werden können. Beispiele: Llama 3 (Meta), Mistral, Phi-3 (Microsoft). Vorteil: Datenschutz, da keine Daten an externe Server gesendet werden.
Relevant für Verwaltungen: Lokale Modelle können auf eigenen Servern betrieben werden – 100% Datenhoheit.
Kontextfenster (Context Window)
Die maximale Textmenge, die ein LLM in einer Konversation gleichzeitig «im Gedächtnis» halten kann. Gemessen in Tokens. Ein grosses Kontextfenster (z. B. 200'000 Tokens) ermöglicht die Analyse ganzer Dokumente.
Fine-Tuning
Die Anpassung eines vortrainierten Modells auf spezifische Daten oder Aufgaben. Fine-Tuning ermöglicht spezialisierte Modelle, z. B. ein Modell, das auf Gemeinderatsprotokolle spezialisiert ist.
RAG – Retrieval-Augmented Generation
Eine Technik, bei der ein LLM mit einer externen Wissensdatenbank kombiniert wird. Das Modell sucht relevante Dokumente und nutzt diese als Kontext für seine Antwort – reduziert Halluzinationen erheblich.
Beispiel: Ein Gemeinde-Chatbot, der auf das aktuelle Gemeindereglement zugreift und präzise Antworten gibt.
Multimodal
KI-Systeme, die mehrere Datentypen gleichzeitig verarbeiten können: Text, Bilder, Audio, Video und Code. Multimodale Modelle wie GPT-4o können z. B. ein Foto eines Formulars lesen und ausfüllen.
KI-Anwendungen
8 Begriffe
KI-Agent / AI Agent
Ein KI-System, das eigenständig Aufgaben plant, Werkzeuge nutzt und Entscheidungen trifft, um ein Ziel zu erreichen. Agenten können E-Mails schreiben, Webseiten durchsuchen, Code ausführen und mit anderen Systemen interagieren.
Beispiel: Ein KI-Agent recherchiert Kantonsräte auf LinkedIn, prüft ihre Webseiten und erstellt einen Bericht.
KI-Telefonie / Voice AI
KI-Systeme, die Telefongespräche führen, Anrufe entgegennehmen, Termine vereinbaren und Informationen weitergeben können. Moderne Voice-AI spricht natürlich und erkennt Dialekte – auch Schweizerdeutsch.
Anwendung: Automatische Bürgerauskunft ausserhalb der Bürozeiten, Terminvereinbarung für Gemeindeämter.
Speech-to-Text (STT) / Transkription
Technologie, die gesprochene Sprache in Text umwandelt. Moderne STT-Systeme wie Whisper (OpenAI) erreichen hohe Genauigkeit auch bei Dialekten und Fachsprache.
Anwendung: Automatische Protokollierung von Gemeinderatssitzungen (z. B. Suisse Notes, recapp.ch).
Text-to-Speech (TTS)
Technologie, die geschriebenen Text in natürlich klingende Sprache umwandelt. Moderne TTS-Systeme sind kaum noch von menschlichen Stimmen zu unterscheiden und unterstützen verschiedene Sprachen und Dialekte.
KI-Zusammenfassung / Summarization
Die automatische Verdichtung langer Texte auf die wesentlichen Kernaussagen. Besonders nützlich für Protokolle, Berichte, E-Mails und Gesetzestexte.
Beispiel: Ein 40-seitiges Gemeinderatsprotokoll wird auf eine 1-seitige Zusammenfassung reduziert.
Chatbot
Ein Programm, das automatisiert auf Texteingaben antwortet. Einfache Chatbots folgen festen Regeln; KI-Chatbots nutzen LLMs und können flexibel auf beliebige Fragen reagieren.
Automation / Workflow-Automatisierung
Die Verknüpfung von KI-Tools mit bestehenden Systemen, um wiederkehrende Aufgaben automatisch auszuführen. Plattformen wie Make, Zapier oder n8n ermöglichen No-Code-Automatisierungen.
Beispiel: Eingehende E-Mail → KI klassifiziert Anliegen → automatische Weiterleitung an zuständige Abteilung.
KI-generierte Inhalte vs. KI-übersetzte Inhalte
KI-generierte Inhalte werden vollständig von KI erstellt und wirken oft generisch. KI-übersetzte Inhalte (z. B. Hochdeutsch → Schweizerdeutsch) bewahren die authentische Stimme des Autors und wirken menschlicher.
Relevant für Social Media: Authentische Mundart-Inhalte erzielen höhere Engagement-Raten als generische KI-Texte.
Online Marketing
9 Begriffe
Conversion Rate
Der Prozentsatz der Webseitenbesucher, die eine gewünschte Aktion ausführen (z. B. Formular ausfüllen, anrufen, kaufen). Formel: Conversions ÷ Besucher × 100. Eine gute Conversion Rate liegt je nach Branche bei 2–5%.
Beispiel: 1'000 Besucher, 30 Anfragen = 3% Conversion Rate.
CTA – Call to Action
Eine Handlungsaufforderung, die den Nutzer zu einer bestimmten Aktion animiert. Effektive CTAs sind klar, spezifisch und erzeugen Dringlichkeit.
Beispiele: «Jetzt kostenlos beraten lassen», «079 910 85 00 anrufen», «Termin buchen».
Landingpage
Eine speziell für eine Werbekampagne oder ein Angebot optimierte Einzelseite. Landingpages haben ein klares Ziel (Conversion) und lenken den Besucher ohne Ablenkung zur gewünschten Aktion.
Lead
Ein potenzieller Kunde, der Interesse an einem Produkt oder einer Dienstleistung gezeigt hat – z. B. durch Ausfüllen eines Formulars, einen Anruf oder das Abonnieren eines Newsletters.
Funnel / Sales Funnel
Das Modell des Verkaufstrichters, das die Phasen beschreibt, die ein potenzieller Kunde durchläuft: Aufmerksamkeit → Interesse → Entscheidung → Kauf. KI kann in jeder Phase automatisieren und personalisieren.
Content Marketing
Eine Marketingstrategie, die auf die Erstellung und Verbreitung wertvoller, relevanter Inhalte setzt, um eine Zielgruppe anzuziehen und zu binden – statt direkt Werbung zu schalten.
Beispiel: Dieser FAQ-Bereich ist Content Marketing – er zieht Besucher über Suchanfragen an und positioniert FlyingSales als Experten.
Social Proof
Das Phänomen, dass Menschen Entscheidungen anderer als Orientierung nutzen. Im Marketing: Bewertungen, Testimonials, Referenzen, Follower-Zahlen und Case Studies.
Beispiel: «87 Google-Bewertungen, Ø 5 Sterne» ist starker Social Proof.
Retargeting
Eine Werbetechnik, bei der Nutzer, die eine Webseite besucht haben, auf anderen Plattformen erneut mit Werbung angesprochen werden. Ermöglicht durch Tracking-Pixel (z. B. Meta Pixel, Google Tag).
Google Ads / PPC
Pay-per-Click-Werbung auf Google. Anzeigen erscheinen bei relevanten Suchanfragen, Kosten entstehen nur beim Klick. Google Ads ermöglicht präzises Targeting nach Suchbegriff, Standort, Gerät und Zielgruppe.
SEO
9 Begriffe
SEO – Search Engine Optimization
Die Optimierung einer Webseite, um in den organischen (nicht bezahlten) Suchergebnissen von Google und anderen Suchmaschinen höher zu ranken. Umfasst technische, inhaltliche und strukturelle Massnahmen.
E-E-A-T
Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness – Googles Qualitätskriterien für Webseiteninhalte. Seit 2022 ist «Experience» (eigene Erfahrung) als viertes Kriterium hinzugekommen. Besonders wichtig für YMYL-Themen.
Massnahmen: Autorenprofile, Quellenangaben, Zertifikate, echte Kundenbewertungen, Impressum.
On-Page SEO
Alle SEO-Massnahmen, die direkt auf der Webseite vorgenommen werden: Titel-Tags, Meta-Beschreibungen, Überschriften-Hierarchie (H1–H6), interne Verlinkung, Bildoptimierung und Seitengeschwindigkeit.
Off-Page SEO / Backlinks
SEO-Massnahmen ausserhalb der eigenen Webseite. Backlinks (Links von anderen Webseiten) sind das wichtigste Off-Page-Signal. Qualität schlägt Quantität: Ein Link von einer Behördenwebseite ist wertvoller als 100 Spam-Links.
Keyword / Suchbegriff
Der Begriff oder die Phrase, die Nutzer in Suchmaschinen eingeben. Keywords werden nach Suchvolumen, Wettbewerb und Suchintention analysiert. Long-Tail-Keywords (3+ Wörter) haben weniger Wettbewerb und höhere Conversion-Raten.
Beispiel: «KI Protokoll Gemeinderat Schweiz» ist ein Long-Tail-Keyword mit hoher Kaufabsicht.
SERP – Search Engine Results Page
Die Ergebnisseite einer Suchmaschine nach einer Suchanfrage. Die SERP enthält organische Ergebnisse, bezahlte Anzeigen, Featured Snippets, Local Pack und Rich Results.
Rich Snippets / Strukturierte Daten
Erweiterte Suchergebnisse mit zusätzlichen Informationen wie Sternebewertungen, FAQ-Akkordeons, Preisen oder Veranstaltungsdaten. Werden durch Schema.org JSON-LD Markup aktiviert.
Diese FAQ-Seite ist mit FAQPage Schema ausgezeichnet – Google kann die Fragen direkt in den Suchergebnissen anzeigen.
Core Web Vitals
Googles Messgrössen für Nutzererfahrung: LCP (Ladezeit des grössten Elements), INP (Interaktionszeit) und CLS (visuelle Stabilität). Schlechte Core Web Vitals können Rankings negativ beeinflussen.
SGE / AI Overviews
Search Generative Experience – Googles KI-generierte Zusammenfassungen am Anfang der Suchergebnisse. SGE verändert SEO grundlegend: Seiten müssen als Quelle für KI-Antworten geeignet sein (klar strukturiert, quellenbasiert).
Strategie: Tiefe Expertenartikel mit Quellenangaben werden von SGE bevorzugt zitiert.
Datenschutz & Compliance
7 Begriffe
nDSG – neues Datenschutzgesetz (Schweiz)
Das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz, in Kraft seit 1. September 2023. Es stärkt die Rechte der betroffenen Personen und erhöht die Anforderungen an Unternehmen bezüglich Datenschutzerklärungen, Verzeichnis der Bearbeitungstätigkeiten und Datenschutz durch Technik (Privacy by Design).
Relevant für KI: Jede KI-Anwendung, die Personendaten verarbeitet, muss nDSG-konform sein.
DSGVO / GDPR
Die Datenschutz-Grundverordnung der EU, seit Mai 2018 in Kraft. Gilt für alle Unternehmen, die Daten von EU-Bürgern verarbeiten – auch Schweizer Unternehmen mit EU-Kunden. Bussgelder bis zu 4% des weltweiten Jahresumsatzes.
Datenhoheit
Das Recht und die Fähigkeit einer Organisation, vollständige Kontrolle über ihre Daten zu behalten – wo sie gespeichert, verarbeitet und weitergegeben werden. Für Schweizer Verwaltungen besonders wichtig: Daten dürfen oft nicht auf US-Servern gespeichert werden.
Lösung: Swiss-hosted KI-Lösungen wie Suisse Notes oder lokale Open-Source-Modelle.
Privacy by Design
Das Prinzip, Datenschutz von Anfang an in Systeme und Prozesse einzubauen – nicht als Nachgedanke. Ist eine Kernanforderung des nDSG und der DSGVO.
Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA)
Eine Risikoanalyse, die durchgeführt werden muss, bevor eine neue Datenverarbeitung mit hohem Risiko eingeführt wird. Bei KI-Systemen in Verwaltungen häufig erforderlich.
Anonymisierung vs. Pseudonymisierung
Anonymisierung entfernt alle Identifikationsmerkmale irreversibel – die Daten können keiner Person mehr zugeordnet werden. Pseudonymisierung ersetzt Identifikatoren durch Codes – eine Rückführung ist mit dem Schlüssel möglich. Anonymisierte Daten fallen nicht unter das Datenschutzgesetz.
EU AI Act
Die erste umfassende KI-Regulierung der EU, seit August 2024 in Kraft. Klassifiziert KI-Systeme nach Risikostufen (minimal, begrenzt, hoch, inakzeptabel). Hochrisiko-KI (z. B. in Behörden) unterliegt strengen Anforderungen bezüglich Transparenz, Dokumentation und menschlicher Aufsicht.
Relevant für Verwaltungen: KI-Systeme zur Entscheidungsunterstützung gelten als Hochrisiko.
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